Archiv für September, 2008

Byron Bay – Brisbane – Grafton – Byron Bay

Nachdem ich nun endlich wieder ein wenig Zeit finden konnte um meinen Reisebericht fortzufuehren, werde ich versuchen die letzten turbulenten Wochen meines Australienaufenthalts zusammenzufassen. 

Von dem wunderschoenen Byron Bay, dem westlichsten Punkt Australiens, fuhr ich mit dem Greyhound Bus nach Brisbane um fuehr etwa drei Wochen eine Arbeit zu finden, um die Zeit bis zum Start meines Cambridge Kurses in Byron Bay zu ueberbruecken.

Brisbane praesentierte sich als eine sehr beschaeftigte und hektische Stadt. Es gibt kein Wunder, dass Brisbane, die am schnellsten wachsende Stadt Australiens ist – ueberall wird gebaut, es ist laut und das Geschaeft scheint zu boomen. Arbeit zu finden war hingegen schwer bis unmoeglich. Kein Arbeitnehmer suchte Gelegenheitsjobber fuer lediglich drei Wochen. Und so verschwendete ich einige Tage in einer nicht so schoenen Umgebung, nur um einen Job zu finden: vergebens. Brisbane liegt noch nicht mal am Meer! Ohja, das ist zwar sehr selten fuer eine australische Stadt, aber fuer Brisbane traf es zu!

Ich musste also raus, egal wo hin, nur weg aus der Grossstadt! Aber wohin? Fuer 3 Wochen noch weiter nach Norden reisen? Noch weiter von Byron Bay weg, wo ich wieder hin zurueck muss? Nein! Ich musste meine Kontakte in Australien nutzten. Aber wen nur? Na, meine Gastfamilie in Byron Bay, die wuessten sicher etwas…. Schwups … einen Tag spaeter hiess es, ich koennte ins australische Hinterland zu ihren Verwandten auf eine Farm! Perfekt! Das, was ich immer wollte: Natur, Abenteuer, Kuehe, Pferde und 280 km von der naechsten Stadt entfernt. Ich nahm also einen Bus nach Grafton (suedlich von Byron Bay), wo die Farmer mich in Empfang nehmen wollten. Kaum aus dem Bus raus, stand auch schon ein weisser Landcruiser samt autentischem Cowboy auf dem Parkplatz um mich abzuholen. Mit einem laecheln im Gesicht stieg ich in das Vehikel ein und wurde mit einem freundlichen „Howaudoin mate, get ya ass into the car“ begruesst. Nachdem die ersten Freundlichkeiten ausgetauscht waren, wurde mir dann noch erklaert, dass wir nun noch etliche Stunden fahren muessten, um zur Farm zu gelangen. Soweit, so gut. Dass es aber nach 10 min Fahrt keine befestigten Strassen mehr gab, sondern nur noch Schotterpisten und dass wir nur an einem einzigen kleinen Hof vorbeigekommen sind, und uns kein Auto begegnen sollte, dass war mir nicht klar… machte das ganze aber interessanter. Auf der Farm angekommen, wurde ich dann durchs Wohnhaus der Familie gefuehrt, in dem ich auch ein Zimmer haben sollte. Sauna, Pool, Spa, Turnhalle und alles was das Herz begehrte in einem riesen Haus auf einem kleinen Huegel direkt an einem wunderbaren Fluss, der jeden Tag zum kajaken einlud. Dazu Landcruisers und Pferde! Was will man mehr?

Die ersten zwei Tage lernte ich also zu reiten, zu kajaken, Kuehe zu melken und mit dem Auto ca. die doppelte Geschwindigkeit zu fahren, als ich mich traute, was sehr wichtig war, da es schon mal schnell sehr dunkel werden konnte auf einer Farm der Groesse von 20000 acres und man nicht wirklich weiss, dass es um 17.00h stock dunkel sein kann. Meine weiteren Aufgaben auf der Farm waren dann die Kuhherden zusammenzutreiben, Pferde zu pflegen, zu melken, Bullen fuer die Auktion herzurichten und Buschfeuer zu legen um neue Weideflaechen fuer die Kuehe (Indien Brahmen) zu schaffen. 

Die Zeit in der ich auf der Farm war, war perfekt. Der Winter endete und ich konnte zusehen, wie sich binnen 48 Studen eine grau/braune Landschaft in eine saft gruene Oase verwandelte. Gleich am vierten Tag meines Aufenthalts gab es Regen! Der erste Regen seit 4 Monaten! Ein Feiertag setzte ein! Wenn es regnet wird nicht gearbeitet, hiess es. So schauten wir vom Kamin aus dem Regen zu, spielten Karten und tranken ein Bier. Eine phantastische Atmosphaere lag in der Luft…. Und viel, viel Wasser, anscheinend nicht nur in unserer Gegend, sondern auch in der Great Dividing Range. Das merkten wir, als unser Fluss (etwa so gross wie der Rhein) auf einmal anfing zu wachsen. Und das sichtbar! Die kleinen Sandstraende wurden langsam vom Wasser verschluckt, Baeume versanken langsam aber gewaltig in den Fluten….. NEEIIIINNN! Die Kanus!! Und der Traktor! Eine atemberaubende Kanu-Tracktor Rettungsaktion wurde eingeleitet. Erfolgreich. Puhh das war knapp…. Doch was ist das? Unsere Bruecke, die uns mit der Zivilisation verbindet… Ein Opfer der Fluten, was bedeutet weitere 200 km Umweg inkauf nehmen um auf die andere Seite des Flusses zu kommen. Na, das faengt ja gut an!

Nichts desto trotz, der Regen war das Startsignal des Fruehlings und es wurde schlagartig Warm. Die Naechte waren fortan fast 20 Grad warm, was bedeutet, das die winterschlafenden Kreaturen aufwachen und auf Nahrungssuche gehen! Schlangen! Ueberall! Ein offenes Fenster oder eine offene Tuer bedeutete eine Schlange im Haus. Sind die Schlangen gefaehrlich? Seit ihr schonmal gebissen worden? Dies waren meine Fragen. „Das einzige Problem ist, dass sie momentan sehr agressiv sind, da sie auf der Suche nach Nahrung sind…. aber gebissen wurde noch keiner von uns!“ Hmmm, das war mir zu ungenau… ich googelte also froehlich nach unseren „Brownsnakes“. Auszug Wikipedia: „Die Gattung der Braunschlangen (Pseudonaja) – manchmal auch als Braunottern bezeichnet – umfasst sieben Arten hochgiftiger und somit auch für den Menschen sehr gefährlicher Schlangen. Die bis zu 1,5 m langen Schlangen sind in Australien verbreitet. Die Gewöhnliche Braunschlange (P. textilis) gilt nach dem Inlandtaipan als zweitgiftigste Landschlange der Welt.“ ….. Ups! Ich musste mich also an das Gefuehl gewoehnen, jede Sekunde von dieser Kreatur verschlungen zu werden. Fortan musste man aufpassen, dass der Stock, den man gerade aufheben wollte nun wirklich ein Stock ist. Um die Ottern von den Tueren zu verscheuchen musste man in den Abendstunden sogar teilweise mit einem Traktor ums Haus fahren um die Schlangen zu verscheuchen, um eintreten zu koennen. Zwei Tage spaeter war es dann soweit, nun war auch der Inlandtaipan (s.o.) aufgewacht, den ich aber leider nur zwei mal zu Gesicht bekam. Allerdings muss ich sagen, dass ich mich sehr schnell an das Schlangen Problem gewoehnt hatte. Respekt bewahren und ruhig bleiben, dann gibt es gar keine Probleme. Ich konnte mich also dem Echidna und dem Platipus (Schnabeltier) erfreuen, die bei uns an und im Fluss ihr zu Hause gefunden haben und natuerlich den Kangaroos, die jeden morgen vor meinem Fenster zu grassen pflegten. (Das Kapitel mit den Redback Spider lasse ich hier einmal bewusst aus, das es auf das gleiche Resultat wie das der Schlangen herauskommen wuerde.) Schlussendlich kann ich auf eine wunderbare Zeit auf der Farm zurueckblicken, zu der ich sicher noch einmal zurueckkehren werde. Die Gastfreundschaft der Farmer (die die Farm nur als Hobbie betreiben und im richtigen Leben Aerzte (Flying Doctors) sind) und das interessante und schoene Leben dort draussen im Niemansland hat seinen ganz besonderen Reiz.

Jetzt bin ich im wieder im wunderschoenen Byron Bay um meinen Cambridge Kurs erfolgreich abzuschliessen. Das Examen ist am 14 Dezember und bis dahin gibt es noch viel zu tun.

Photos im gleichen Blogeintrag auf http://www.globalzoo.de/ehser/blog-beitrag-b8661.php

Liebe Gruesse an die Heimat!