Archiv für Oktober, 2008
Tour de Heat
Tour de Heat – A journey to the heart of the Australian Hinterland
Es war mal wieder soweit, der Alltag der Schule in Byron Bay hatte einen eingeholt und wir wollten mal wieder etwas erleben. Das nahende lange Wochenende mit einem Feiertag am Montag reizte uns und wir planten eine Rad Campingtour in Hinterland Byron Bays zum Nightcap Nationalpark, ein Regenwald mit unzaehligen Wasserfaellen. Und es war alles gerichtet fuer ein buntes Wochenende im Herzen des Hinterlands.
Unser Team bestand aus Matej Popadij (Slovakia), Marco Frei (Switzerland), Iago Pallo (Spain/Galizia) und Christian Ehser (Merode). Des weiteren hatten wir 4 Fahrraeder (nicht die besten), 4 Rucksaecke (jeweils beladen mit 11 kg), 2 Zelte, 4 Schlafsaecke, 8 Liter Wasser, 25 Muesliriegel, 30 Wuerstchen (die der Slovake beim Geburtstagbarbecue am Vortag „organisiert“ hatte) und Kleidungsstuecke an Board.
Start unserer Reise sollte Samstag morgens gegen 6.00h sein, da uns schon im Vorhinein bewusst war, dass wir jede verfuegbare Sonnenstunde zum Radeln nutzen sollten um unser Ziel, den Nightcap Nationalpark noch Samstags erreichen zu koennen. Leider kam uns am Freitag Abend ein Beach Geburtstags Barbecue in die Quere, sodass wir am naechsten morgen mehr oder weniger gezwungen waren, erst um 7.30h in Byron Bay loszuradeln, was fuer einige trotzdem nur 3 Stunden Schlaf bedeutete.
70 km lagen an unserem ersten Tag vor und der groesste Teil der Strecke fuehrte die Berge hinauf. Die ersten 20 km legten wir in perfektem Zeitplan zurueck, langsam machten sich die Rucksaecke auf unseren Ruecken bemerkbar, die uns auf unserem Weg den Berg hinauf immer weiter nach Hinten und demnach nach Unten zogen und die Sonne zeigte uns schon in den fruehen Morgenstunden, dass sie den Mann vom Wetterbericht nicht enttaeuschen wollte und strikt nach Plan die 28 Grad Celcius im Schatten schnell erreichen wollte. Leider ereignete es sich wie so oft, dass wir nicht im Schatten fahren konnten, sondern die Sonnenseite der Berge erreicht hatten, herrlich! So beschlossen wir also in Crystal Castle, einem kleinen buddistischen Ort im Niemandsland ein Fruehstueck zu uns zu nehmen und die groesste Buddhastatue des Kontinents zu bewundern. Die Eier und Speck, die man uns im Cafe anbot waren genau das Richtige fuer uns und nach 1,5 Stunden Pause konnte es dann frisch gestaerkt weiter gehen. Leider lagen genau jetzt die 4 heissesten Stunden des Tages vor uns und wir wussten, dass wir von nun an nicht mehr von steilen Haengen und Huegeln verschont wurden. „Cochones! Courage! Continue!“… So pflegte uns unser kaum englisch sprechender, aber perfekter spanischer Kamerad aufzumuntern nicht aufzugeben. Das wollte auch keiner von uns! Wir waren wild entschlossen diesen roten, hoellischen Kontinent auf unsere Art und Weise zu besiegen.
Dieser allerdings fuehrte uns oft an unsere menschlichen Grenzen und uns wurde schnell klar, warum in manchen Gegenden auf unserer Strecke einfach keiner lebt! Weil es dort einfach nichts gibt! Kein Wasser, kein Geschaeft, keine Tankstelle, NICHTS! Dies kam uns dann doch nach einer Weile recht ungelegen, da unser Wasservorrat, den wir in Crystal Castle schon einmal aufgefuellt hatten wieder zu Grunde ging. Alle Orte, die im Hinterland von Byron Bay eingezeichnet waren und die wir durchquerten, entpuppten sich entweder nur als eine Bruecke ueber einen Fluss, der ausgetrocknet war oder als ein Ort mit 2 Haeusern und einer Kapelle. So trug es sich zu, dass wir von Haus zu Haus zogen, also von einem Haus zum anderen gingen (da im ersten keiner war), um nach Wasser zu fragen. Wasser wurde uns natuerlich gegeben und Avocados und Bananen aus dem Garten. Perfekt! Es konnte also weiter gehen auf unserem letzten Stueck durch den Regenwald den Berg hinauf zu dem Minyon Falls, wo wir unser Nachtlager aufschlagen wollten. Als wir dieses um 5.00Uhr Abends erreichten hatten wir 1900 Hoehenmeter hinter uns gelassen und 28 Liter Wasser getrunken. Erschoepft aber uebergluecklich bauten wir unsere Zelte auf und da es um 6 Uhr dunkel werden sollte, hatten wir einen perfekten Zeitplan eingehalten. Um 6 Uhr lag dann auch jeder von uns im Bett und wir wachten erst um 8 Uhr morgens des naechsten Tages nach 13 Stunden Schlaf (in dieser Nacht wurde die Uhr umgestellt) auf.
An diesem Tag unternahmen wir eine ca. 5 Stuendige Urwaldwanderung zum Fusse der Wasserfaelle im Palmvalley. Nach einem guten Barbecue in der Mittagszeit auf einem oeffentlichen Grillplatz im Nationalpark mit unseren Wuerstchen beschlossen wir, unser Lager abzubrechen und zum Rocky Creek Dam zu radeln, der ca. 30km weiter Inland lag und der Heimat fuer das Schnabeltier, zahlreiche Schildkroeten, Schlangen, Warane und Kakadus beherbergt. Wie schon im Nightcap Nationalpark konnten wir am Rocky Creek Dam keine Menschenseele antreffen und wir hatten die Natur ganz fuer uns alleine. Unser Nachtlager an dieser Stelle war allerdings sehr unbequem und die See- und Uferbewohner, die es wohl sehr erfreulich fanden die ganze Nacht zu quaken, schreien, bruellen, zwitschern und platschen liesen uns fast kein Auge zudruecken, was nach weiteren 1450 Hoehenmeter zu Fuss und mit dem Rad an diesem Tag sehr unerfreulich war. Auf unserer Rueckreise am naechsten Tag ueberwunden wir weitere 2100 Hoehenmeter und wieder lies uns die Sonne keine Zeit zum durchschnaufen. Auf der Rueckreise war allerdings der wohl gefaehrlichste Teil der Strecke die 5km lange fahrt auf dem Pacific Highway 1 (jaaaa, man darf hier mit dem Rad auf die Autobahn) und die anschliessende Ueberquerung dieses. Belohnt wurden wir allerdings mit einer atemberaubenden Sicht ueber die ganze Bucht Byrons.
Am Ende unserer Reise hatten wir 180 km und 5450 Hoehenmeter auf dem Fahrrad und zu Fuss in einer saengenden Gluthoelle des australischen Hinterlands bewaeltigt. Wir tranken 81 Liter Wasser und haben 25 Muesliriegel, 30 Wuerstchen, 1 Gurke, 8 Avocados und 10 Bananen gegessen.
Einen Tag spaeter ereignete es sich, dass ein Hitzschlag an mir diagnostiziert wurde und ich mit sehr hohem Fieber 5 Tage im Bett liegen durfte. Nun durfte ich einen Marathon im Wadenwickeln und unzaehlige Liter Tee ueberstehen. Schliesslich bin ich wieder wohl auf und es ist uns bewusster als je zuvor, dass der Australische Kontinent unberechenbar aber auch der wohl schoenste des Planeten ist.
Danke dem grossartigen gemischtem Team, dass niemals aufgegeben hat und diese Reise, die auf meinen Mist gewachsen war mit Freude, Spass und viel Willen zu einem erfolgreichen und unvergesslichen Ereignis gemacht hat. Thx Mates!!!!
Gruesse in die Heimat!
photos on… www.globalzoo.de/ehser