Archiv für Januar, 2009
Von Byron Bay ins Outback
Nachdem das Cambridge Examen an der Gold Coast University fuer uns alle gut gelaufen war, konnten wir es nicht laenger warten um weiterzureisen. Die Kueste und Byron waren zwar rueckblickend traumhaft und wir hatten eine unglaublich gute Zeit, doch um ehrlich zu sein kann man nach 3 Monaten keinen Strand und kein Meer mehr sehen. Wir hatten genug vom touristischen Leben am Meer und so beschlossen wir westwaerts zu ziehen. In den weit entfernten Westen New South Wales wo die Baumwollernte im vollem Gange war und wo es reichlich Arbeitsplaetze gab. Eigentlich sollte unser Ziel noerdlich liegen um bei der Bananenernte oder Tomatenernte zu helfen. Schwere Hagelstuerme machten die Ernte allerdings schneller zu Nichte als wir sie pfluecken konnten. Matej, der Sohn des ehemaligen Vizepraesidenten der Slovakei und Jura Student in Prag, schloss sich mir an. Sein Visa allerdings sollte schon Mitte Januar auslaufen und so schien es schwierig fuer ihn eine kurzfristige Arbeitsstelle zu finden. Unsere erste Anlaufstelle war die Cattle Farm im Hinterland von Grafton, wo ich zuvor schon ein wenig ausgeholfen hatte. Auch wenn es dort keine Arbeit gab, konnte Farmer George seine zahlreichen Kontakte nutzen um uns einen geeigneten Arbeitsplatz zu beschaffen. George haengte sich also hinters Telefon und sprach mit unzaehligen Farmern um uns zu helfen. Fast alle aber waren Nieten. Gruende dafuer waren Duerre im Sueden der Staates und Ueberflutungen im Norden. Seit ca. 5 Jahren haben Australische Farmer wohl eine sehr harte Zeit, da sie von Duerren oder anderen extremen Wettersituationen betroffen waren, erklaerte uns George. Allerdings muss ich hinzufuegen, dass keiner von den betroffenen Farmern, mit denen wir sprachen, an einen Klimawandel glaubten. Als wir den Begriff Global Warming in den Raum warfen hoerte man eine geschlossene Antwort: „Bullshit!“ Es sei schon immer so gewesen dass man ein par schlechte und warme Jahrzehnte hatte und ein paar kalte und gute.
Jedenfalls musste George nach Sydney zu einem Vortrag der Nationalen CropJet Vereinigung und er gab uns den Aufrtag fuer ein par Tage nach der Farm zu schauen, waerend er sich weiter um Jobs bemuehe. Gesagt, Getan. Wir waren damit beschaeftigt Kuehe zu Fuettern und Wasser zu Pumpen, als ploetzlich Geroge aus Sydney anrief. Er spreche gerade mit dem Vorsitzenden der Outback Farmers, der ein grosses Agrobusiness betreibe. Er erwarte uns morgen in Wee Waa, wo ein Hotel fuer uns gebucht sei. Wo verdammt noch mal ist denn Wee Waa? Ein Atlas gab uns schnell die Antwort und wir realisierten, dass wir uns auf eine Reise ueber 800 km Richtung Sued Westen begeben mussten. Google Earth machte uns klar, dass wir uns in eine von Wuesten- und Buschland dominierte Gegend aufmachen werden.
Frueh am Morgen ging es also los und nach 100km war die Ueberraschung gross, dass es von nun an keine asphaltierte Strasse mehr geben wird. 700km ueber Dreck und Staub! Na toll! Mit der Zeit wurde die Landschaft karger und karger und die Anzahl der Kaengurus groesser und groesser. Nach Kilometer 500 konnten wir die ersten Emus sehen, die meiner Meinung nach die wohl schoensten Voegel Australiens sind. Ihre Schnelligkeit und ihr im Wind wallendes Federkleid sind beeindruckend.
Als wir in Wee Waa, ein 400 Seelen Dorf, dass im Umkreis von 150km das einzige Anzeichen einer Zivilisation ist, riefen wir Conrad, unseren neuen Boss, an. Er warte schon auf uns in der lokalen Hotel Bar, wurden wir gewahr. Das klang gut nach einer so langen Reise. Das Hotelgebaeude war 150 Jahre alt und im viktorianischen Stihl gebaut, was ihm einen sehr idyllischen Charme verlieh. Nicht viel juenger war der Barkeeper, der uns eine Pfeffer- oder Rahmsteak anbot. Nicht viel spaeter hatten wir ein 1100 Gramm schweres Stueck Fleisch auf dem Teller mit Fritten und Salat. Nahrung fuer eine ganze Familie! Nach zwei stuendigem Kampf mit dem Herunterwuergen des wohl sehr reichen Gerichts, eroeffnete uns Konrad, dass wir am naechsten Morgen mit der Arbeit beginnen wuerden. In Bourke! Wo war denn jetzt Bourke? Nur die Strasse runter, erklaerte uns Conrad. Am naechsten morgen realisierten wir allerdings, dass es weitere 350 km bis Bourke, der naechste Ort westwaerts von Wee Waa, waren. Wir fuhren als nur die einzige Strasse nach Westen herunter und hatten keine einzige Kurve auf unserem Weg nach Bourke.
Conrad praesentierte uns dort seine 21 Flugzeuge, die meisten davon um Felder zu duengen. 2 Wracks fielen uns ins Auge, die, wie uns spaeter erklaert wurde, von Crashs stammen, die keine 2 Wochen alt waren. Beide Piloten haben es zu unserem Schrecken leider nicht ueberlebt. Fuer alle die schon einmal Crop Jets, wie diese Flugzeuge genannt werden, in Aktion gesehen haben, gibt es wohl kein Wunder, dass unfaelle passieren. Gespritzt wir naemlich auch unter Hochspannungsleitungen, was bedeutet, dass die Piloten nach zu den Leitungen ca. 1,5 Meter Platz und zum Boden ca. einen Meter Spielraum haben. Ein sehr spannendes Manoever!
Conrad hat allerdings zusaetzlich zu seinen Flugzeugen eine Farm, die im Winter Weizen oder Baumwolle und im Sommer Sonnenblumen erzeugt. Unsere Arbeit variierte also von tanken und warten der Flugzeuge, ueber Steuern der Spritzeinheiten in grossen Jets waehrend des Fluges bis hin zu normaler Farmarbeit mit den Sonnenblumen. Unter anderem Haben Matej und ich sie alle geplanzt mit einem grossen John Deer und einem 14 Meter Breitem Planter dahinter, was sich als die beste Arbeit herausstellte, da man den ganzen Tag in einem klimatisierten Traktor mit Radio sitzen konnte. Was die Arbeit extrem erleichtert hat, war das GPS, welches den Traktor automatisch lenkte und die Geschwindigkeit kontrollierte. Die einzige Aufgabe, die der Fahrer, oder besser Pilot, dieser High Tech Maschine erfuellen musste, war das Wenden am ende einer Reihe. Da die kleinsten Reihen 1,5 Kilometer lang waren, hatte man also nicht allzu viel zu tun. Der Farmmanager, der mit seiner Frau und drei Kindern auf dem Farmgelaende lebt, wurde schnell ein guter Freund und wir fuhren oft raus in den Busch, um Schweine mit Hunden seinen Hunden zu Jagen und sie dann als Spanferkel zu zubereiten, um Kaengurus und Emus zu schiessen oder um im Damm zu Angeln. Wir sind also selbstversorgend.
Nachdem Matej dann Anfang des Monats nach Sydney reiste um seinen Flug nach Suedkorea und dann zurueck nach Prag zu nehmen, kamen Stuerme auf. Hagel und Regen ueberflutete die gesamte Gegend binnen Minuten, da der viel zu trockene Boden nicht im Stande war nur einen Millimeter Wasser aufzunehmen. Nur drei Tage spaeter kam der naechste Sturm. Von Suedwesten, wie Jamie, der Farmmanager, mit erschrecken feststellte. Die Suedwestseite des Farmhauses, war die einzige ungeschuetzte und vollkommen offene Seite. Wir stoppten unsere Bewesserungsbemuehungen im Feld und rasten so schnell wie moeglich Richtung Farmhaus. Doch das war gar nicht so einfach. Der Toyota Landcruiser wurde vom Wind lediglich hin und her gerissen und wir mussten unsere Fahrt stoppen aus Angst in irgendeinem der Bewesserungskanaele zu landen. Nach 13 Minuten Sturm und Regen war alles vorbei. Sonnenschein und 42 Grad. – Und eine Haus, dass von nun an ohne Dach da Stand und dessen Decke von zweiten Stock ins Erdgeschoss verlagert wurde. Man haette ein Woerterbuch mit australischem Slang vollbekommen, haette man die Worte Jamies fuer nur 10 Minuten beim Anblick seines Hauses niedergeschrieben.
Nun sind wir zum „Nachbarn“ gezogen und damit beschaeftigt das Haus niederzureissen mit Hilfe von Bulldozern. Waehrenddessen bewaessern wir 800 Hektar Sonnenblumen und spritzen RoundUp in Brachliegenden Parzellen.
Zuweilen ist es so heiss, dass wir nur Nachts arbeiten koennen, da die Traktoren sonst zu heiss werden und streiken.
Heute ist Australischer Nationalfeiertag, doch wir muessen arbeiten. Ueber Weihnachten hatten wir Gott sei Dank ein par freie Stunden und Conrad nahm uns mit zu seiner Familie auf sein Boot zum Wasserski fahren und zum traditionellen Garnelen Essen.
Am 18. Februar geht es dann weiter in meiner Reise. Wahrscheinlich Richtung Tasmanien,Great Ocean Road, Cooper Pedy und dann Uluru, da der Norden auf Grund der Regenzeit total ueberflutet und somit unpassierbar ist.
Soviel von mir mit einem kleinen Update. Leider kann ich nur sehr schwierig kommunizieren momentan, da wir nur Internet ueber Setelitt haben und dieses sehr sehr teuer ist.
Photos reiche ich nach, wenn ich wieder in der Zivilisation bin.
Gruesse aus dem Outback Australiens.