Urlaub im Krankenhaus

Nachdem ich das milde und oft regnerische Wetter Tasmaniens sehr genossen habe, liege ich nun im Krankenhaus.
Zuvor jedoch habe ich den sued-westlichen National Park um Lake Gordon und Lake Pedder breist. Dann bestiegen wir (Backpacker aus Melbourne, Schweiz und Oesterreich) Mt. Wellington, von welchem wir eine an spektakulaere Sicht auf Hobart, die groesste Stadt Tasmaniens und ihre malerische, zerklueftete Kuestenregion hatten. Das gute Wetter wollten wir also Ausnutzen um Richtung Sued Osten zum campen aufzubrechen. Der kleine Kuestenort Port Arthur hatte mit seinem Nationalpark auf der Tasman Peninsula unsere Aufmerksamkeit geweckt und hier sollte unsere Ausruestung fuer den Overland-Track auf einem zwei Tages Marsch entlang der Felskueste getestet werden. Puenktlich in Port Arthur angekommen fing es an zu regnen und unser Test fand unter ungemuetlichen Bedingungen statt. Allerdings hatten wir das Glueck auf diesem Track die kleinsten Pinguine der Welt, Seehunde, Wombats, einen Albatros und den tasmanischen Teufel in freier Wildbahn zu entdecken, was uns das schlechte Wetter vergessen lies. Besonders ueber den tasmanischen Teufel haben wir uns gefreut, da dieser jetzt nach dem 1935 zuletzt gesichtetem Tasmanischem Tiger, welcher halb Hund und halb Katze war, nun auch auszusterben droht. Grund hierfuer ist Gesichts- und Halskrebs, der erstaunlicherweise durch Bisswunden uebertragen wird. (Tasmanische Teufel fuehren sehr oft leichte Kaempfe mit ihren Artgenossen aus, um ihr Revier zu verteidigen.) Diese medizinische Sensation, die vor einigen wenigen Jahren ans Licht kam, ist allerdings nicht nur mit Sorge zu betrachten. Hoffnung machen Aerzte und Wissenschaftler aus aller Welt, die sich in Tasmanien angesiedelt haben, um diesen Krebs zu erforschen und in diesem uebertragbaren Krebs die Antwort auf eine entgueltige Krebsheilung bei Mensch und Tier zu finden. Fuer das tasmanische Gesundheitssystem ist dies jetzt schon zum absoluten Vorteil geworden, da sich die besten Mediziner der Welt nun auf der Insel niederlassen und die modernsten Krankenhaeuser aus dem Boden gestampft werden. Das ich so ein medizinisches Institut sehr bald von Innen begutachten wuerde, war mir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht klar.
Wir fuhren also weiter die Ostkueste entlang Richtung norden. St Helens, Bicheno und die Bay of Fires waren unsere naechsten Anlaufpunkte. Malerische Kuestenstaedte, die vom Fischfang leben, Nationalparks und Viehzucht schmuecken die Ostkueste weitgehend aus. In St Helens sind wir mit einem Fischerboot eines alten Mannes raus, der sich unserer Gesellschaft mehr als erfreute und uns in den Thunfischfang einweite. Nach noch nicht einmal einer halben Stunde auf See hatten wir auch schon einen Thunfisch an der Leine. Stolze 120 kg zogen wir aus dem Wasser. In der Bay of Fires die man nur mit einem 7 stuendigem Fussmarsch durch Buschland erreichen kann und die wohl den schoenste Strand der Welt hat, haben wir dann Mutterseelen alleine ein Picknick mit allerlei Meeresfruechten und Salat gemacht und mit einem Lagerfeuer um unsere Zelte herum den Tag zu einem gelungenen Abschluss gebracht. Von Dort aus ging es weiter an die Nordkueste durch tasmaniens Weinbau- und Lavendergebiete. Die Traubenernte war in vollem Gange, der Lavender hingegen war leider schon verbluet und Blicke auf lila farbende Felder blieben uns leider vorbehalten, so dass wir uns nach Launceston, der zweit groessten Stadt Tasmaniens aufgemacht haben, wo wir noch einmal in der Jugendherberge schlafen wollten und ein par ruhige Tage ueber Ostern verbringen wollten, bevor wir dann am Dienstag auf den Overland Track aufbrechen wollen. Nachdem ich allerdings dann in der ersten Nacht um 2 Uhr morgens mit starken Schmerzen in der Bauchregion aufgewacht bin, war meine oesterliche Ruhe allerdings vorbei. Da die Schmerzen vorerst nicht wirklich zu lokalisieren waren und ich noch etliche Paracetamol bei mir hatte, habe ich versucht diese mit Tabletten zu bekaempfen. Als ich dann um 6 Uhr morgens noch immer keine Besserung verspuerte und die Schmerzen sich an einem Ort zu sammeln buendeln schienen, wuchs in mir der Verdacht, dass der Blinddarm wohl betroffen sein koennte. In Anbetracht dieser Erkenntnis konnte ich nicht schnell genug in einem Krankenhaus sein, was zwar auf der Karte schnell gefunden war, allerdings in der Realitaet auf Grund von Einbahnstrassen nicht sehr einfach zu erreichen war. Doch dieses Problem loesten dann die Warnblinkanlage und meine Hupe, da die Schmerzen mich relativ gleichgueltig ueber Verkehrsregeln hinwegsehen liessen. In der Notaufnahme angekommen und nach 2 Minuten Wartezeit, wurde ich in die Observation Bay geschoben wo sage und schreibe drei Aerzte gleichzeitig Tests an mir durchfuehrten und ihre Entscheidungen in Gruppendiskussion mit dem Patienten trafen. Ich fand mich in einer besseren Version der Fernsehsendung Dr House wieder und ich beruhigte mich recht schnell. Allerdings liessen auch die Schmerzen wieder nach und eine Appendizitis ist nicht gerade einfach zu diagnostizieren. Die eigentlich eindeutigen Anzeichen fuer Blinddarmentzuendung trafen bei mir nicht ein, doch zeigte mein Blutbild eine deutliche Infektion. Als letzte Loesung zu einer zwar noch immer nicht eindeutigen Diagnose boht sich ein Computer Tomograph. So wurde ich also in ein Geraet von deutscher Ingineurskunst geschoeben, dass ein Juelicher Radiologe hier in Mitten von Tasmanien steuerte. Allerdings zeigte die Scans nur auf, dass mein Blinddarm in abnormer Haltung ist und sich nach hinten geschoben hat. Eine Entzuendung war allerdings noch immer nicht mit Gewissheit zu bestimmen. So etschlossen sich meine nun schon 4 behandelnden Aerzte noch ein wenig abzuwarten und auf neues Symptome zu hoffen. Diese kamen Gott sei Dank schnell und ploetzlich. Ziemlich eindeutig lies sich nun sagen, dass der Blinddarm geplatzt ist und es in 2,5 Minuten in die OP geht. Karfreitag, der hier Good Friday heisst, hat sich also nicht als ein besonders erfreulicher Tag herausgestellt. Nach der OP wurde mir erklaert, dass der Blinddarm so schlecht zu erreichen war, dass die Aerzte leider sogar Bauchmuskeln durchschneiden mussten, was normalerweise zu verhindern ist. Diese Umstaende machen es natuerlich nicht gerade einfach am Dienstag die geplante Bergtour zu starten. Doch wir werden sehen, wie sich die Situation weiter entwickelt.
Frohe Ostern in die Heimat!OP an Ostern

3 Kommentare »

  Marcel wrote @

Leever Jott…

Gute Besserung und Grüße aus der Heimat.

Schreib´mal ne Email!

  ehser wrote @

Danke dir… Gruesse zurueck! Koennen wir noch aufsteigen?!

  Marcel wrote @

Theoretisch ja, wird aber knapp.

Sind momentan Sechster. Lautern hat einen, Fürth und Mainz (Dritter) drei Punkte vor.

Im Moment läuft´s aber gut.

Gruß


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