Archiv für Mai, 2009
Melbourne – Great Ocean Road oder „Gestrandet am Rande des Nichts“
Die Ueberfahrt von Devenport nach Melbourne mit der „Spirit of Tasmania II“, die uebrigens urspruenglich auf dem Tuempel Mittelmeer eingesetzt wurde (und nicht auf der rauesten Strasse der Welt), gestaltete sich, wie vorhergesagt, unsaeglich grausam und rau. Schon nach einer halben Stunde Fahrt setzten die Wellen und somit die Uebelkeit ein. Wie sollte ich nur die naechsten 9,5 Stunden auf diesem schwankenden Ungetuem aushalten? Nun ja, zusammenfassend kann ich nur berichten, dass ich nach ca. 2 Stunden geschworen habe, nie mehr eine Faehre zu besteigen, nach 2,5 Stunden stand fuer mich fest nie mehr auf ein Boot zu gehen, nach 3 Stunden beschloss ich mein Surfboard zu verkaufen, nach 4 Stunden wusste ich mit tausendprozentiger Sicherheit, dass ich nie mehr schwimmen gehen werde und nach Stunde 6 war klar, dass ich mich auch nicht mehr duschen werde, nein ich werde noch nicht einmal mehr Wasser trinken, da das in irgendeiner Form mit einem Ozean, einer grossen Ansammlung von Wasser, zu tun hat.
Nach 2 Tagen in Melbourne ging es fuer mich dann weiter nach Sueden. Die Great Ocean Road sollte mein naechstes Ziel sein. Nach ca. 2 Stunden Fahrt war sie auch schon erreicht und puenktlich im ersten Ort der Great Ocean Road gab es einen Stau, was ich fuer sehr ungewoenlich hielt, da es Nebensaison ist und mir bis hierhin nur hier und da mal ein Auto begegnet ist, wie das so ueblich in Australien ist. Was war also los? Ich parkte mein Auto am Strassenrand um mir das geschehen einmal aus der naehre zu betrachten. Lediglich 5 andere Autos stauten sich vor mir. Was ich dann sah, waren 6 Personen die wild auf der Strasse gestikulierend und bruellend um etwas herumstanden. Aber was war es? Ich schritt also etwas naeher heran uns stellte fest, das ein ziemlich grosses Koala Maennchen auf der Strasse sass und wohl, wie so oft, beim ueberqueren eine Rast machte. Koalas koennen allerdings stoerriger sein als Esel oder Kuehe die man sonst so auf den Strassen findet. Mit stoecken, bruellen und hupen haben wir dann versucht ihn zum weitergehen zu bewegen, da Koalas, obwohl of als neidliches Tierchen angesehen, erstaunliche Pranken und Zaehne haben und es oft passiert, dass sie zu kaempfenden und beissenden Unegtuemen werden, wenn sie hochgehoben werden. Ein Koala ist halt noch immer ein wilder Baer. Ein aelteres Ehepaar erklaerte sich schliesslich bereit weiter auf der Strasse zu warten und den Verkehr um unseren Koala herumzuleiten, bis dieser sich wieder dazu entschliesst aufzustehen. Doch dies sollte nicht mein letzter Koala gewesen sein, da diese die Baeume rechts und links der Strasse wie ueberdimensionale Weihnachtsbaumkugeln schmueckten. Geschlafen habe ich dann in einem Hostel ca. 50km vor den 12 Aposteln, die nichts Weiteres sind als 7 Felsbloecke die ca. 100 Meter vor der Kueste im Wasser stehen und langsam aber sicher umfallen, genauso wie es ihren anderen 5 Brueder schon getan haben. Diese 12 Aposteln, die ein Wahrzeichen Australiens sind stellten sich allerdings als sehr unspektakulaer heraus. Dieses Wissen hat man aber wohl japanischen Touristen vorenthalten. Sie kamen in Bussen, nein in ganzen Bus Kollonnen und stellten sich in fuenfer Reihen an den Zaun um die 16gb Speicherkarte an ihrer neuen Nikon Kamera rand voll zu hauen. Mit Photos von Felsbloecken, die im Wasser stehen! Es war ein Bild des Grauens! Ich fuhr also weiter und stoppte an kleineren Aussichtsplatformen weiter westlich, wo es keine Japaner gab. Jedoch spektakulaere Bilder. Die London Bridge, oder kleinere Felsformationen mit Tropfstein Mustern entlang der Klippen. Und hier war ich alleine, keine anderen Touristen, es gab nur mich und die Ahnung, dass an diesen verlassenen Straenden eins Piraten ihr Unwesen getrieben haben mussten. Es war phantastisch und so konnte ich noch einen einmaligen Sonnenuntergang ueber roten Sandstein Klippen erleben. Nach einer weiteren Nacht in einem Kuesten Hostel begab ich mich am naechsten morgen zum Cape Bridgewater, die hoechste Klippe Suedaustraliens, an deren Fusse eine Seeloewen Kolonie lebte, die ich mir allerdings nur eine Minuten lang anschauen konnte, da deren Gebruell, an den Klippen wiederschallend, so laut war, das es in den Ohren schmerzte. Fuer diesen Tag hatte ich allerdings noch ein anderes Ausflugsziel auf meinem Plan: das einzige Welterbe Sued Australiens, die Naracoote Hoehlen. In diesen Hoehlen lebt eine besonderer Art des Flying Fox (fliegender Fuchs). Diese Art gibt es nur noch in dieser einen Hoehle auf der ganzen Welt. Wenn dieser Lebensraum also versagt, wird diese Art, die nur wenig groesser ist als eine Ratte, wohl fuer immer aussterben. Ich wartete bis zur Daemmerung an der Hoelenoeffnung, an der die Flugtiere herauskommen sollten. 20.000, so sagte man mir, sammeln sich jeden Abend an dieser Oeffnung um in die Nacht auszuschwaermen. In nahegelegenen Baeumen warteten allerdings schon heishungrig einige Eulen, um sich ihr Abendmahl direkt aus der Luft zu schnappen. Doch ich sah nicht nur Eulen. Sogar einige Baumschlangen warteten auf den Moment sich von den Aesten herabfallen zu lassen, um dann im Fall den ein oder anderen fliegenden Fuchs zu Fangen. Es war ein spektakel.
So war ich also nun vom Staat Victoria nach South Australia gefahren und stellt fest, als ich in ein Hostel einchecken wollte, dass irgendetwas mit ihren Oeffnungszeiten nicht stimmte. Aber nein, es war meine Uhr, die nicht stimmte. Sued Austrlian hat eine andere Zeit. Sie sind eine halbe Stunde hinter Victoria, New South Wales und Queensland, zumindest im Winter. Im Sommer gibt es in allen 4 unterschiedliche Zeiten. Es soll sogar Gruende dafuer geben. Man ist allerdings hoffnungslos Verloren, beim Versuch diese Gruende zu verstehen. Nun gut. Ich wollte mich also moeglichst schnell durch die Weinregionen Sued Australiens kaempfen um die naechste Stadt Adelaide zu erreichen. Doch so passierte es, dass mein Auto ploetzchen stehen blieb. Der Motor ging aus und es wollte nicht mehr starten. Was ein Glueck, dass genau das in einem kleinen Ort passierte, der eine Strasse mit 8 Haeusern hat, eine Tankstelle und ein Hotel und der 120 km in alle Richtungen vom naechsten ort entfernt war und von welchem 20km noerdlich die Wueste beginnt. Man konnte es also gut und gerne Glueck im Unglueck nennen, dass das genau hier passierte. Aber was war kaputt? Ich lief also auf die andere Strassenseite zur Tankstelle um herauszufinden, ob mir irgendjemand helfen konnte. Natuerlich! Auf dem Land ist nichts ein Problem, nicht in Australian. Ob ich nicht zuerst ein Bier haben moechte oder einen Kaffee, ob ich hunger habe, oder sonst irgendetwas braeuchte… Nein, ich wollte nur haben, dass mein Auto wieder fuhr. Der Mechaniker der Tankstelle lief also ueber die Strasse und in windeseile stellte sich heraus, dass ein Hitzesensor kaputt ist und dieser ausgetauscht werden muesse. Na super! Es muss ein Ersatzteil bestellt werden. Am Rande der Weuste im geographischem Nichts. So sitzte ich also hier, wie ein Mexikaner in alten Westernfilmen, vor der Tankstelle, neben einem Coka Cola Dosen Automaten und lasse die Stunden verstreifen, waehrend ich auf das Ersatzteil warte. 4 bis 5 Tage sollte es dauern. Es war also nicht verwunderlich, dass ich nach 3 Tagen jeden einzelnen Dorfbewohner und Farmer der Region persoenlich kannte und wusste, wie jeder mit jedem Verwand ist und von welcher Region Europas ihre Familien urspruenglich kamen. Natuerlich gibt keiner zu, dass seine Familie Britisch ist. Wer will auch schon mit denen etwas zu tun haben. Die meisten erzaehlen mir, dass sie Deutsche oder Italiener sind, was zu alle dem auch stimmen koennte, da viele Orte Sued Australiens deutsche Namen haben und sogar einige Wenige, selbst hier im Busch, noch deutsch sprechen koennen. So bin ich also als Deutscher ein willkommener Gast in Suedaustralien und bezahle Australische Preise im Hotel. Britische Touristen, die sich manchmal hier raus verirren, muessen jedoch das doppelte bezahlen. Warum? Sie sind halt Briten, oder Pommies, wie Australier sie nennen.