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Melbourne – Great Ocean Road oder „Gestrandet am Rande des Nichts“
Die Ueberfahrt von Devenport nach Melbourne mit der „Spirit of Tasmania II“, die uebrigens urspruenglich auf dem Tuempel Mittelmeer eingesetzt wurde (und nicht auf der rauesten Strasse der Welt), gestaltete sich, wie vorhergesagt, unsaeglich grausam und rau. Schon nach einer halben Stunde Fahrt setzten die Wellen und somit die Uebelkeit ein. Wie sollte ich nur die naechsten 9,5 Stunden auf diesem schwankenden Ungetuem aushalten? Nun ja, zusammenfassend kann ich nur berichten, dass ich nach ca. 2 Stunden geschworen habe, nie mehr eine Faehre zu besteigen, nach 2,5 Stunden stand fuer mich fest nie mehr auf ein Boot zu gehen, nach 3 Stunden beschloss ich mein Surfboard zu verkaufen, nach 4 Stunden wusste ich mit tausendprozentiger Sicherheit, dass ich nie mehr schwimmen gehen werde und nach Stunde 6 war klar, dass ich mich auch nicht mehr duschen werde, nein ich werde noch nicht einmal mehr Wasser trinken, da das in irgendeiner Form mit einem Ozean, einer grossen Ansammlung von Wasser, zu tun hat.
Nach 2 Tagen in Melbourne ging es fuer mich dann weiter nach Sueden. Die Great Ocean Road sollte mein naechstes Ziel sein. Nach ca. 2 Stunden Fahrt war sie auch schon erreicht und puenktlich im ersten Ort der Great Ocean Road gab es einen Stau, was ich fuer sehr ungewoenlich hielt, da es Nebensaison ist und mir bis hierhin nur hier und da mal ein Auto begegnet ist, wie das so ueblich in Australien ist. Was war also los? Ich parkte mein Auto am Strassenrand um mir das geschehen einmal aus der naehre zu betrachten. Lediglich 5 andere Autos stauten sich vor mir. Was ich dann sah, waren 6 Personen die wild auf der Strasse gestikulierend und bruellend um etwas herumstanden. Aber was war es? Ich schritt also etwas naeher heran uns stellte fest, das ein ziemlich grosses Koala Maennchen auf der Strasse sass und wohl, wie so oft, beim ueberqueren eine Rast machte. Koalas koennen allerdings stoerriger sein als Esel oder Kuehe die man sonst so auf den Strassen findet. Mit stoecken, bruellen und hupen haben wir dann versucht ihn zum weitergehen zu bewegen, da Koalas, obwohl of als neidliches Tierchen angesehen, erstaunliche Pranken und Zaehne haben und es oft passiert, dass sie zu kaempfenden und beissenden Unegtuemen werden, wenn sie hochgehoben werden. Ein Koala ist halt noch immer ein wilder Baer. Ein aelteres Ehepaar erklaerte sich schliesslich bereit weiter auf der Strasse zu warten und den Verkehr um unseren Koala herumzuleiten, bis dieser sich wieder dazu entschliesst aufzustehen. Doch dies sollte nicht mein letzter Koala gewesen sein, da diese die Baeume rechts und links der Strasse wie ueberdimensionale Weihnachtsbaumkugeln schmueckten. Geschlafen habe ich dann in einem Hostel ca. 50km vor den 12 Aposteln, die nichts Weiteres sind als 7 Felsbloecke die ca. 100 Meter vor der Kueste im Wasser stehen und langsam aber sicher umfallen, genauso wie es ihren anderen 5 Brueder schon getan haben. Diese 12 Aposteln, die ein Wahrzeichen Australiens sind stellten sich allerdings als sehr unspektakulaer heraus. Dieses Wissen hat man aber wohl japanischen Touristen vorenthalten. Sie kamen in Bussen, nein in ganzen Bus Kollonnen und stellten sich in fuenfer Reihen an den Zaun um die 16gb Speicherkarte an ihrer neuen Nikon Kamera rand voll zu hauen. Mit Photos von Felsbloecken, die im Wasser stehen! Es war ein Bild des Grauens! Ich fuhr also weiter und stoppte an kleineren Aussichtsplatformen weiter westlich, wo es keine Japaner gab. Jedoch spektakulaere Bilder. Die London Bridge, oder kleinere Felsformationen mit Tropfstein Mustern entlang der Klippen. Und hier war ich alleine, keine anderen Touristen, es gab nur mich und die Ahnung, dass an diesen verlassenen Straenden eins Piraten ihr Unwesen getrieben haben mussten. Es war phantastisch und so konnte ich noch einen einmaligen Sonnenuntergang ueber roten Sandstein Klippen erleben. Nach einer weiteren Nacht in einem Kuesten Hostel begab ich mich am naechsten morgen zum Cape Bridgewater, die hoechste Klippe Suedaustraliens, an deren Fusse eine Seeloewen Kolonie lebte, die ich mir allerdings nur eine Minuten lang anschauen konnte, da deren Gebruell, an den Klippen wiederschallend, so laut war, das es in den Ohren schmerzte. Fuer diesen Tag hatte ich allerdings noch ein anderes Ausflugsziel auf meinem Plan: das einzige Welterbe Sued Australiens, die Naracoote Hoehlen. In diesen Hoehlen lebt eine besonderer Art des Flying Fox (fliegender Fuchs). Diese Art gibt es nur noch in dieser einen Hoehle auf der ganzen Welt. Wenn dieser Lebensraum also versagt, wird diese Art, die nur wenig groesser ist als eine Ratte, wohl fuer immer aussterben. Ich wartete bis zur Daemmerung an der Hoelenoeffnung, an der die Flugtiere herauskommen sollten. 20.000, so sagte man mir, sammeln sich jeden Abend an dieser Oeffnung um in die Nacht auszuschwaermen. In nahegelegenen Baeumen warteten allerdings schon heishungrig einige Eulen, um sich ihr Abendmahl direkt aus der Luft zu schnappen. Doch ich sah nicht nur Eulen. Sogar einige Baumschlangen warteten auf den Moment sich von den Aesten herabfallen zu lassen, um dann im Fall den ein oder anderen fliegenden Fuchs zu Fangen. Es war ein spektakel.
So war ich also nun vom Staat Victoria nach South Australia gefahren und stellt fest, als ich in ein Hostel einchecken wollte, dass irgendetwas mit ihren Oeffnungszeiten nicht stimmte. Aber nein, es war meine Uhr, die nicht stimmte. Sued Austrlian hat eine andere Zeit. Sie sind eine halbe Stunde hinter Victoria, New South Wales und Queensland, zumindest im Winter. Im Sommer gibt es in allen 4 unterschiedliche Zeiten. Es soll sogar Gruende dafuer geben. Man ist allerdings hoffnungslos Verloren, beim Versuch diese Gruende zu verstehen. Nun gut. Ich wollte mich also moeglichst schnell durch die Weinregionen Sued Australiens kaempfen um die naechste Stadt Adelaide zu erreichen. Doch so passierte es, dass mein Auto ploetzchen stehen blieb. Der Motor ging aus und es wollte nicht mehr starten. Was ein Glueck, dass genau das in einem kleinen Ort passierte, der eine Strasse mit 8 Haeusern hat, eine Tankstelle und ein Hotel und der 120 km in alle Richtungen vom naechsten ort entfernt war und von welchem 20km noerdlich die Wueste beginnt. Man konnte es also gut und gerne Glueck im Unglueck nennen, dass das genau hier passierte. Aber was war kaputt? Ich lief also auf die andere Strassenseite zur Tankstelle um herauszufinden, ob mir irgendjemand helfen konnte. Natuerlich! Auf dem Land ist nichts ein Problem, nicht in Australian. Ob ich nicht zuerst ein Bier haben moechte oder einen Kaffee, ob ich hunger habe, oder sonst irgendetwas braeuchte… Nein, ich wollte nur haben, dass mein Auto wieder fuhr. Der Mechaniker der Tankstelle lief also ueber die Strasse und in windeseile stellte sich heraus, dass ein Hitzesensor kaputt ist und dieser ausgetauscht werden muesse. Na super! Es muss ein Ersatzteil bestellt werden. Am Rande der Weuste im geographischem Nichts. So sitzte ich also hier, wie ein Mexikaner in alten Westernfilmen, vor der Tankstelle, neben einem Coka Cola Dosen Automaten und lasse die Stunden verstreifen, waehrend ich auf das Ersatzteil warte. 4 bis 5 Tage sollte es dauern. Es war also nicht verwunderlich, dass ich nach 3 Tagen jeden einzelnen Dorfbewohner und Farmer der Region persoenlich kannte und wusste, wie jeder mit jedem Verwand ist und von welcher Region Europas ihre Familien urspruenglich kamen. Natuerlich gibt keiner zu, dass seine Familie Britisch ist. Wer will auch schon mit denen etwas zu tun haben. Die meisten erzaehlen mir, dass sie Deutsche oder Italiener sind, was zu alle dem auch stimmen koennte, da viele Orte Sued Australiens deutsche Namen haben und sogar einige Wenige, selbst hier im Busch, noch deutsch sprechen koennen. So bin ich also als Deutscher ein willkommener Gast in Suedaustralien und bezahle Australische Preise im Hotel. Britische Touristen, die sich manchmal hier raus verirren, muessen jedoch das doppelte bezahlen. Warum? Sie sind halt Briten, oder Pommies, wie Australier sie nennen.
Bass Strasse
Werde jetzt auf dieses graessliche Ungetuem von Faire steigen. Wettermeldungen sind nicht gerade zu unseren Gunsten. 10-12 Meter hohe Wellen, Gewitter mit Sturm. In ca. 14 Stunden werdet ihr Erfahren, ob es Ueberlebende gibt… ![]()
Da Bayern ja mal wieder unerfolgreich war…
Daumen druecken fuer die Alemannia!!!! Ole oleeeee!
Cradle Mountain Nationalpark – Overland Track
Nachdem ich die Ostertage eher unaufregend im langweiligen Krankenhaus verbracht hatte, konnte ich nicht darauf warten am Dienstag morgen auf den Overland Track zu gehen.
Der Overland Track ist ein 81km langer Trampelpfad, der von Norden nach Sueden durch den Cradle Mountain Nationalpark, das hoechstrangigste UNESCO Welterbe, fuehrt. Wir planten mit mindestens 5 Naechten im Zelt oder in einer der spartanischen Bretterhuetten entlang des Pfades, auf die man sich allerdings nicht verlassen konnte, da sie sehr klein und je nach dem schon mit 8 Leuten voll sind, oder man sie je nach Wetterlage nicht vor Einbruch der Dunkelheit erreichen kann. So mussten also Zelte, Kochausruestung, Lebensmittel, und Kleidung fuer 4 Jahreszeiten (die man oft an einem Tag erleben kann) mitgeschleppt werden. Mein Rucksack war mit 24kg bis unter den Rand gefuellt und offensichtlich viel zu schwer, doch wir sollten jedes Teil unserer Ausruestung noch brauchen werden.
Am Dienstag morgen um 8 Uhr verliessen wir das Basecamp im Cradle Valley, mit dem Ziel unser erstes Nachtlager im Waterfall Valley zu erreichen. Der erste Tag sollte der schwierigste und laengste sein, da an diesem, mit dem Ueberqueren des Cradle Mountains, die meisten Hoehenmeter gemeistert werden mussten. Es war bewoelkt und mit 6 Grad ueber Null ein optimales Wander Wettter. Je hoeher wie jedoch stiegen um so nebliger und naesser wurde es. Nach einer Stunde war unsere Sicht schon auf 100 Meter eingeschraenkt und mein Rucksack lag viel zu schwer auf meinen Schultern, da ich die Bauchhalterung auf Grund der Operation noch nicht benutzen konnte. Die Steine waren rutschig und wir mussten hoellig aufpassen, wo wir unseren naechsten Schritt taten. Kurz nach Mittag hatten wir den Aufstieg hinter uns und es ging ueber Hoehenplataus in Richtung Waterfall Valley. Der Nebel verzog sich und die Sonne kam aus. Fuer die naechsten 4 Stunden hatten wir brillantes Wetter und eine unglaubliche Sicht auf Barns Bluff, eine Gebirgsformation westlich unseres Nachtlagers. Wo wir voellig erschoepft, aber gluecklich eine Stunde vor Einbruch der Dunkelheit eintrafen und wir beschlossen in der alten Berghuette zu schlafen. Unsere Gaskocher wurden ausgepackt und die fertig Nudeln in frischem Gebirgswasser gekocht, da die Huette direkt am Fusse eines tosenden Wasserfalles stand. Noch waehrend des Kochens trafen Nathan und Ray, Vater und Sohn aus Melbourne, die sich seit 3 Jahren nicht mehr gesehen hatten und sic dazu entschlossen hatten zusammen den Overland Track zu gehen, und Bieke eine Belgerien aus Hasselt mit Robert, einem Backpacker und bekennendem Sozialisten aus Dresden, ein, um in der gleichen Huette unterschlupf fuer die Nacht zu suchen. Diese stellte sich als bitter kalt heraus und wir fanden nur wenig schlaf. Hinzu kam, dass ich nur auf dem Ruecken schlafen konnte, da mein nicht mehr vorhandener Blinddarm noch zu sehr schmerzte.
Bei Tagesanbruch waren wir also alle wieder auf den Beinen und hatten ein Dingo Fruehstueck (Have a sip of water and slowly look around), wie es die Aussies nennen. Aus dem Fruehnebel tauchte nun auch noch ein Ranger auf, der uns vor sehr schlechtem Wetter an diesem Tag warnte und uns rat nur 3 Stunden bis zur naechsten Nothuette zu laufen und dort einen Schneesturm vorrueberziehen lassen sollten. Dies passte allerdings nicht in unseren Zeitplan, da geplant war am naechsten morgen Mount Osa zu besteigen, der hoechste Berg der Insel. Nach vielerlei Diskussion entschloss sich ein Teil der Gruppe sich durch den Schnee zu kaempfen, waehrend ich entschied mit Nathan, Ray, Bieke und dem Sozi nur bis zur naechsten Huette zu schreiten, was sich als hervorragende Idee herausstellte, da wir mit wagerechtem fliegendem Hagel zu kaempfen hatten und just als wir Windemere, eine Nothuette, erreicht hatten startete der Schneesturm. Nach 20 Stunden Warterei, lustigen Diskussionen mit Robert dem Lafontaine Fan und totalem Huettenkoller konnten wir am naechsten Morgen wieder auf brechen, da sich der Schnee in Dauerregen und Nebel verwandelt hatte. Der Pfad war von nun an ein fliessendes Baechlein und Aufstiege waren Kaempfe durch kleinere und groessere Wasserfaelle und das bei Temperaturen um die 1,5 Grad. Es machte allerdings keinen Sinn auf besseres Wetter zu warten, da die Vorheresage keine Besserung in Sicht stellte. Nach 5 Stunden mussten wir dann erschoepft, durchnaesst und demoralisiert eingestehen, dass es besser waere den Tag einen Tag zu nennen, und wieder einmal zu Rast zu gehen. Diesmal in unseren Zelten, die Gott sei Dank dem Wetter stand hielten. Ray, der nur gemietete Ausruestung mit sich trug, klagte ueber starke schmerzen in den Schultern und Knien, da sein Rucksack nicht auf seinen Koerperbau abgestimmt war, und so konnten wir uns von dieser Sekunde an australisches Gejammere anhoeren, was fuer europaeische Ohren eine amuesant, humorvolle Melodei ist, da Aussies von Natur aus mit Sarkasmus gefuellt sind. An diesem Abend heiterten uns allerdings Wallabies, Wambats, Opossums, ein Schnabeltier, ein Ekitna und ein Vogel, dem es gelang die Reisverschluesse unserer Zelte zu oeffnen, um nach Futter zu suchen, auf. Und da wir schon auf dem Weg zwei tasmanische Teufel sehen konnten, war unsere Wildlife Experience komplettiert.
Die naechsten Tage ging unsere Reise dann durch Regenwaelder, die ihrem Namen alle Ehre machten, und diverse Hochmohre. Wir wurden wieder nass und kalt und es schmerzte bei jedem Schritt und Rays fluchen lag in unser aller Ohren. Hin und wieder sausten Nick und Magaretha, aus Neuseeland, an uns vorbei, um auf einem anderen Seitenpass einen besseren Weg zu finden. Diese beiden fanden dann auch eines Nachts in der New Pelion Huette unterschlupf, in der auch wir uns versuchten an einem Kaminfeuer aufzuwaermen (Nasses Holz brennt schlecht). Nick lies uns wissen, dass zwei Schwestern (75 und 78 Jahre alt) auch auf dem Weg zu dieser Huette seien. Sie seien allerdings erfahrene Bergsteiger und sollten es vor Anbruch der Dunkelheit schaffen. Pustekuchen! Zwei Stunden nachdem das letzte Tageslich hinter den Bergen, die man auf Grund von Nebel nie sehen konnte, verschwunden war, waren die zwei alten Damen noch immer nicht bei uns. So gingen wir auf die Suche. Nach anderhalb Stunden herumgestochere im stockdunklen Regenwald fanden wir sie dann auch. Betend sassen sie um zwei Teelichter, und warteten darauf, dass sie jemand findet, da sie keine Lampen bei sich hatten und die Orientierung verloren hatten (was fuer eine Ueberraschung!). Auf dem Weg zur Huette blieben sie allerdings weiterhin Stur und wollten sich ihre Rucksaecke, die schwerer waren als unsere) nicht abnehmen lassen. In der Huette selbst fingen sie dann froehlich an ihr abendessen mit Gasbrennern zuzubereiten. Ein Gasbrenner und ein zu nah an diesen herangestellter Rucksack fing Feuer. Nicht nur, dass diese zwei Damen ihr eigenes Leben auf dem Weg riskieren, nein!, sie versuchen auch noch eine halbe Stunde spaeter die Huette abzubrennen. Nick, der Kiwi, packte allerdings reflexartig den gasbrenner und den brennenden rucksack und schleuderte es zur Tuer hinaus. Mit dem in der Huette haengendem Funkgeraet riefen wir dann gegen den Willen der Damen einen Hubschrauber zu Hilfe um die zwei abholen zu lassen, da einer ihrer Rucksaecke samt Ausruestung, bis auf das Drahtgestell heruntergebrannt war. Nach weiteren 1,5 Stunden Diskussion hatten wir die Zwei dann am naechsten morgen im Hubschrauber auf dem Weg nach Hause, zum Eigenschutz versteht sich. Der restliche Teil der Wanderung gestaltete sich aehnlich nass und ungemuetlich und wir waren gluecklich, als wir am Samstag Abend auf die Faire, die uns ueber den See St Claire, dem tiefsten See Australiens, zum Ende des Nationalparks brachte. Natuerlich kam puenktlich als wir auf dem Boot sassen die Sonne heraus mit einer Vorhersage auf 5 Tage Sonnenschein.
Mit Ray, Nathan, Bieke und Robert haben wir uns sofort eine Luxushuette am Ufer des Sees gemietet, um eine ruhige und warme Nacht zu haben und um in der Seebar den wohl besten Kaenguru Buerger der Welt zu essen und den Trip mit einem Bier ausklingen zu lassen. Zusammenfassend kann man sagen, dass wir trotz, oder gerade wegen des schlechten Wetters, eine Erfahrung gesammelt haben, die wir so schnell nicht wieder vergessen werden. Es hat Spass gemacht und wir haben Kameraden fuers Leben gefunden (Abgesehen vom Genossen aus der DDR) im wohl schoensten Nationalpark auf Erden, der uns das Gefuehl gegeben hat durch Herr der Ringe, Jurassic Park, Winitou und zahlreiche Postkartenmotive zur gleichen Zeit zu schreiten. Und wenn uns irgendjemand erklaeren will, dass das Barrier Reef oder der Uluru oder was auch immer ein besserer Fleck auf Erden ist,….. dem koennen wir nur mit einem milden und zufriedenem Laecheln begegnen… niiiieeemaaals!
Jetzt heisst es erstmal ausspannen, Elektrizitaet geniessen und dann Mitte der Woche wieder ueber die Bassstrasse mit der „Spirit of Tasmania II“ nach Melbourne zu fahren um fuer die Great Ocean Road zu planen und Nathan und Ray wieder zu treffen, um zusammen eine Packung fertig Nudeln mit einem Muesli Riegel in St. Kilda zu geniessen.
Gruesse in die Heimat! G’day!


Urlaub im Krankenhaus
Nachdem ich das milde und oft regnerische Wetter Tasmaniens sehr genossen habe, liege ich nun im Krankenhaus.
Zuvor jedoch habe ich den sued-westlichen National Park um Lake Gordon und Lake Pedder breist. Dann bestiegen wir (Backpacker aus Melbourne, Schweiz und Oesterreich) Mt. Wellington, von welchem wir eine an spektakulaere Sicht auf Hobart, die groesste Stadt Tasmaniens und ihre malerische, zerklueftete Kuestenregion hatten. Das gute Wetter wollten wir also Ausnutzen um Richtung Sued Osten zum campen aufzubrechen. Der kleine Kuestenort Port Arthur hatte mit seinem Nationalpark auf der Tasman Peninsula unsere Aufmerksamkeit geweckt und hier sollte unsere Ausruestung fuer den Overland-Track auf einem zwei Tages Marsch entlang der Felskueste getestet werden. Puenktlich in Port Arthur angekommen fing es an zu regnen und unser Test fand unter ungemuetlichen Bedingungen statt. Allerdings hatten wir das Glueck auf diesem Track die kleinsten Pinguine der Welt, Seehunde, Wombats, einen Albatros und den tasmanischen Teufel in freier Wildbahn zu entdecken, was uns das schlechte Wetter vergessen lies. Besonders ueber den tasmanischen Teufel haben wir uns gefreut, da dieser jetzt nach dem 1935 zuletzt gesichtetem Tasmanischem Tiger, welcher halb Hund und halb Katze war, nun auch auszusterben droht. Grund hierfuer ist Gesichts- und Halskrebs, der erstaunlicherweise durch Bisswunden uebertragen wird. (Tasmanische Teufel fuehren sehr oft leichte Kaempfe mit ihren Artgenossen aus, um ihr Revier zu verteidigen.) Diese medizinische Sensation, die vor einigen wenigen Jahren ans Licht kam, ist allerdings nicht nur mit Sorge zu betrachten. Hoffnung machen Aerzte und Wissenschaftler aus aller Welt, die sich in Tasmanien angesiedelt haben, um diesen Krebs zu erforschen und in diesem uebertragbaren Krebs die Antwort auf eine entgueltige Krebsheilung bei Mensch und Tier zu finden. Fuer das tasmanische Gesundheitssystem ist dies jetzt schon zum absoluten Vorteil geworden, da sich die besten Mediziner der Welt nun auf der Insel niederlassen und die modernsten Krankenhaeuser aus dem Boden gestampft werden. Das ich so ein medizinisches Institut sehr bald von Innen begutachten wuerde, war mir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht klar.
Wir fuhren also weiter die Ostkueste entlang Richtung norden. St Helens, Bicheno und die Bay of Fires waren unsere naechsten Anlaufpunkte. Malerische Kuestenstaedte, die vom Fischfang leben, Nationalparks und Viehzucht schmuecken die Ostkueste weitgehend aus. In St Helens sind wir mit einem Fischerboot eines alten Mannes raus, der sich unserer Gesellschaft mehr als erfreute und uns in den Thunfischfang einweite. Nach noch nicht einmal einer halben Stunde auf See hatten wir auch schon einen Thunfisch an der Leine. Stolze 120 kg zogen wir aus dem Wasser. In der Bay of Fires die man nur mit einem 7 stuendigem Fussmarsch durch Buschland erreichen kann und die wohl den schoenste Strand der Welt hat, haben wir dann Mutterseelen alleine ein Picknick mit allerlei Meeresfruechten und Salat gemacht und mit einem Lagerfeuer um unsere Zelte herum den Tag zu einem gelungenen Abschluss gebracht. Von Dort aus ging es weiter an die Nordkueste durch tasmaniens Weinbau- und Lavendergebiete. Die Traubenernte war in vollem Gange, der Lavender hingegen war leider schon verbluet und Blicke auf lila farbende Felder blieben uns leider vorbehalten, so dass wir uns nach Launceston, der zweit groessten Stadt Tasmaniens aufgemacht haben, wo wir noch einmal in der Jugendherberge schlafen wollten und ein par ruhige Tage ueber Ostern verbringen wollten, bevor wir dann am Dienstag auf den Overland Track aufbrechen wollen. Nachdem ich allerdings dann in der ersten Nacht um 2 Uhr morgens mit starken Schmerzen in der Bauchregion aufgewacht bin, war meine oesterliche Ruhe allerdings vorbei. Da die Schmerzen vorerst nicht wirklich zu lokalisieren waren und ich noch etliche Paracetamol bei mir hatte, habe ich versucht diese mit Tabletten zu bekaempfen. Als ich dann um 6 Uhr morgens noch immer keine Besserung verspuerte und die Schmerzen sich an einem Ort zu sammeln buendeln schienen, wuchs in mir der Verdacht, dass der Blinddarm wohl betroffen sein koennte. In Anbetracht dieser Erkenntnis konnte ich nicht schnell genug in einem Krankenhaus sein, was zwar auf der Karte schnell gefunden war, allerdings in der Realitaet auf Grund von Einbahnstrassen nicht sehr einfach zu erreichen war. Doch dieses Problem loesten dann die Warnblinkanlage und meine Hupe, da die Schmerzen mich relativ gleichgueltig ueber Verkehrsregeln hinwegsehen liessen. In der Notaufnahme angekommen und nach 2 Minuten Wartezeit, wurde ich in die Observation Bay geschoben wo sage und schreibe drei Aerzte gleichzeitig Tests an mir durchfuehrten und ihre Entscheidungen in Gruppendiskussion mit dem Patienten trafen. Ich fand mich in einer besseren Version der Fernsehsendung Dr House wieder und ich beruhigte mich recht schnell. Allerdings liessen auch die Schmerzen wieder nach und eine Appendizitis ist nicht gerade einfach zu diagnostizieren. Die eigentlich eindeutigen Anzeichen fuer Blinddarmentzuendung trafen bei mir nicht ein, doch zeigte mein Blutbild eine deutliche Infektion. Als letzte Loesung zu einer zwar noch immer nicht eindeutigen Diagnose boht sich ein Computer Tomograph. So wurde ich also in ein Geraet von deutscher Ingineurskunst geschoeben, dass ein Juelicher Radiologe hier in Mitten von Tasmanien steuerte. Allerdings zeigte die Scans nur auf, dass mein Blinddarm in abnormer Haltung ist und sich nach hinten geschoben hat. Eine Entzuendung war allerdings noch immer nicht mit Gewissheit zu bestimmen. So etschlossen sich meine nun schon 4 behandelnden Aerzte noch ein wenig abzuwarten und auf neues Symptome zu hoffen. Diese kamen Gott sei Dank schnell und ploetzlich. Ziemlich eindeutig lies sich nun sagen, dass der Blinddarm geplatzt ist und es in 2,5 Minuten in die OP geht. Karfreitag, der hier Good Friday heisst, hat sich also nicht als ein besonders erfreulicher Tag herausgestellt. Nach der OP wurde mir erklaert, dass der Blinddarm so schlecht zu erreichen war, dass die Aerzte leider sogar Bauchmuskeln durchschneiden mussten, was normalerweise zu verhindern ist. Diese Umstaende machen es natuerlich nicht gerade einfach am Dienstag die geplante Bergtour zu starten. Doch wir werden sehen, wie sich die Situation weiter entwickelt.
Frohe Ostern in die Heimat!
Vom outback nach Tassi
Nach 1400km Autofahrt vom Outback durch New South Wales und Victoria (unter anderem durch die von Buschfeuern zerstoerten Gegenden) kam ich puenktlich zum Formel 1 Rennen in Melbourne an. Dort musste ich allerdings feststellen, dass es nicht gerade einfach ist sich mit dem Auto durch die Stadt zu schlagen. Mit erschrecken musste ich feststellen, dass man, wenn man rechts abbiegen moechte, ganz auf die linke Spur fahren muss, um dann, im aller letzten momentan, wenn alle anderen Autos auf den drei Spuren zu meiner rechten und die Strassenbahn passiert sind, in einem atemberaubenden Mannoever, nach rechts zu ziehen. Zu alledem kam noch, dass viele Strassen auf Grund des Grand Prix gesperrt waren und die Stadt vollkommen ueberfuellt war. Ich war also dazu gezwungen mit einer Hand auf der Hupe mich durch die Stadt zu wuehlen.
Im Albert Park sassen wir direkt an der Schikane hinter Start und Ziel, was uns die Highlights des Grand Prix direkt vor unsere Nase brachten und es somit zu einem einmaligen Erlebnis gemacht hat. Selbst der unglaublich dicke Smog, der ueber der Stadt lag, konnte mir die schoenen Herbsttage in Melbourne nicht versauen.
Am Diensttag bin ich dann also wie geplant mit dem Auto auf die “Spirit of Tasmania” gefahren, die mich in 10 Stunden ueber der Bass Strasse nach Devenport in Tasmanien bringen sollte. Auf der Faehre selbst war die Stimmung noch sehr gelassen und es lag ein hauch von Abenteuer in der Luft, der durch Schlechtwettermeldungen auf See bestaerkt wurde. Die Bass Strasse, die als gefaehrlichste Strasse der Welt angesehen wird, zeigte sich von ihrer schlechtgelauntesten Seite. Spaetestens als unserer Glaeser und Flaschen auf Grund des Wellengangs vom Tisch fielen, wussten wir, dass wir keinen guten Schlaf haben werden. Und so verbrachten wir, wie erwartet, 8 Stunden auf den Sanitaeranlagen des Schiffes, die in dieser Nacht einen allgemein grosssen Besucherandrag verspuerten.
Von Devenport im Norden Tasmaniens sind wir dann nach Hobart , der im Sueden gelegenen Hauptstadt Tasmaniens. Das Wetter ist bewoelkt, aber mild und die Landschaft ist Atemberaubend. Naechste Woche werden wir dann ueber den beruehmten “Overland Track” wandern. Diese Tour, die durch das Innern Tasmaniens fuehrt wird ca. 8-10 Tage dauern und es wird eine logistische Herausforderung sein Lebensmittel, Zelte und Kochgeraete mitzufueren. Des weiteren wird wohl fuer die naechsten Tage der erste Schnee in den Bergen erwartet. Der “Overland Track” liegt in Mitten des Nationalparks von Tasmaniens, ein Welterbe, dass mehr Kriterien fuer ein Welterbe erfuellt, als alle anderen Welterben. Bis dahin geht es allerdings noch ein bisschen entlang der Kueste um Pinguine zu beobachten und den Tasmanischen Teufel zu suchen.
Back to Civilisation
Mein letzter Arbeitstag liegt seit heute hinter mir. Nach nun fast 3 Monaten im Outback geht meine Reise nun morgen weiter und ich werde wieder Staedte und Menschen sehen. Endlich. Doch ich kann mit stolz und vieler guter Erinnerungen auf meine Zeit im Busch zurueckblicken: riesige Traktoren ueber schier unendliche Weiten steuern, mit dem Bulldozer neue Felder und Wege im Busch ergruenden, bei Sonnenuntergang vom Pumpturm auf gluehende Buschfeuer blicken, Sonnenblumen auf 2000 Hektar pflanzen, bewessern und noch viel schoener – sie alle bluehen und sich zur Sonne drehen sehen, eine Herde von 3000 Kuehen bei Sonnen Auf- und Untergand 350 Kilometer durch den Busch zu treiben, reiten und campen, 400 Kaelber kastrieren, enthornen, brandmarken und impfen, Bullreiten, jeden Tag mit einem Toyota Landcruiser durch atemberaubende Gegenden fahren, mit Spritzflugzeugen im Tiefflug ueber Wuestenebenen jagen, Kaengurus schiessen und essen, Wildschweine mit Hunden Jagen, Emus mit dem Lasso fangen, Wasserski auf malerischen Flusslandschaften laufen, Ueberflutungen erleben und mit dem Boot etliche Stunden lang zum naechsten Geschaeft fahren, abgeschnitten sein, die einzigen menschlichen Lebewesen im Umkreis von 300km zu sein, kein Telefon und kein Internet zu haben, nur einen Fernseh- und einen Radiokanal haben, nur Flusswasser zum Duschen, Kochen, Trinken und Waschen haben, kaum einen Tag unter 43 Grad im Schatten haben, und kaum eine Nacht unter 30 Grad, die King-Brown Snake als Tier abkzeptieren und Angst abbauen.
Diese Liste ist nur ein kleiner Einblick in mein Leben hier am Rande der Ueberlebensgrenze. Doch ich hatte das grosse Glueck einen phaszinierenden Einblick in das harte und unvorhersagbare Leben der Outback Farmer und Cowboys zu bekommen.
Aber jetzt geht es weiter. Raus aus der Hitze und raus aus der Einsamkeit. Mein Ziel ist Melbourne, wo ich zum Formel 1 Rennen gehen werde, Tasmanien und die Great Ocean Road.
Wie man vielleicht merkt fehlt etwas. Richtig. Ziemlich unweit von Melbourne und auf meinem Weg Richtung Sueden liegt Canberra (Kaenbra), die Hauptstadt Australiens. Warum also um alles in der Welt sollte ich dort nicht einen Zwischenstop machen? Gruende dafuer wurden mir viele genannt. Einige davon moechte ich hier einmal reflektieren.
Obwohl Canberra heute eine der groessten Staedte Australiens und eine der bedeutendsten, am Reisbrett entworfenen, auf Erden ist, bleibt sie doch die grosse Unbekannte. Fuer eine Hauptstatte ist sie immer noch schwer erreichbar. Nein unerreichbar waere wohl der bessere Ausdruck. Sie liegt hundert Kilometer vom Hume Highway entfernt, der Hauptverbindungsstrasse zwischen Melbourne und Sydney und wir von den wichtigsten Eisenbahnstrecken links liegen gelassen. Die Hauptausfallstrasse nach Sueden fuehrt eigentlich nirgendwo richtig hin, und von Westen her kann man die Stadt nur auf einer Lehmpiste von einem kleinen Ort (Tumut) aus erreichen. Soviel zur geographischen Lage. Nun zur sozio-economischen.
1996 sorgte Premierminister John Howard fuer Unruhe, weil er nach seiner Wahl nicht in Canberra wohnen wollte. Er werde in Sydney bleiben und nur fuer politische Pflichten nach Canberra fahren, verkuendete er. Man kann sich ja vorstellen, wie entruestet die Buerger Canberras wahren (aber vermutlich nur, weil sie selbst noch nicht auf die Idee gekommen waren). Das ganze erhielt noch dadurch einen besonderen Pfiff, dass John Howard der bei weitem langweiligste Mann Australiens ist. Man kann sich einen engagierten Bestattungsunternehmer vorstellen, der sich, seit er elf Jahre alt ist, nichts sehnlicher wuenscht, als Bestattungsunternehmer zu werden, und dessen stolzeste Leistung als Erwachsener es ist, zum Vorsitzenden des Queanbeyan and District-Bestattungsunternehmerverbandes gewaehlt zu werden. Dann halbiert man seine Persoenlichkeit und halbiert sie noch mal. Dann hat man John Howard, wie er leibt und lebt. Wenn ein so farbloser Mann wie er ueber eine Stadt die Nase ruempft, dann weiss man, es muss sich lohnen, da mal einen Blick drauf zu werfen. Ich zittere also nicht gerade vor ungedult und werde, wie so viele andere, Canberra einfach links liegen lassen.
Vielse Gruesse in die Heimat, ich hoffe ihr hattet einen schoenen Karneval,
Dinki-Di-Aussi
Waldbraende
Hallo in die Heimat. Nur kurz. Es ist wohl auch mitlerweile nach Europa durchgesickert, dass wir hier mit schweren Waldbraenden zu kaempfen haben. Obwohl die grossen Feuer in Victoria ziemlich weit von mir entfernt sind, gibt es auch im Westen New South Wales, wo ich zurzeit arbeite groessere Probleme mit Feuern. Zurzeit sind 54 Buschfeuer in meiner Region gemeldet. Die meisten davon sind unter Kontrolle und andere sind einfach zu weit weg von der Zivilisation, dass sie einen gefaehrden koennten. Ich bin also wohl auf und werde wohl eine weitere Nacht unter dem verrauchten Himmel Australiens schlafen muessen, waehrend andere im Norden Queenslands seit Wochen in Ueberflutungen versinken.
Von Byron Bay ins Outback
Nachdem das Cambridge Examen an der Gold Coast University fuer uns alle gut gelaufen war, konnten wir es nicht laenger warten um weiterzureisen. Die Kueste und Byron waren zwar rueckblickend traumhaft und wir hatten eine unglaublich gute Zeit, doch um ehrlich zu sein kann man nach 3 Monaten keinen Strand und kein Meer mehr sehen. Wir hatten genug vom touristischen Leben am Meer und so beschlossen wir westwaerts zu ziehen. In den weit entfernten Westen New South Wales wo die Baumwollernte im vollem Gange war und wo es reichlich Arbeitsplaetze gab. Eigentlich sollte unser Ziel noerdlich liegen um bei der Bananenernte oder Tomatenernte zu helfen. Schwere Hagelstuerme machten die Ernte allerdings schneller zu Nichte als wir sie pfluecken konnten. Matej, der Sohn des ehemaligen Vizepraesidenten der Slovakei und Jura Student in Prag, schloss sich mir an. Sein Visa allerdings sollte schon Mitte Januar auslaufen und so schien es schwierig fuer ihn eine kurzfristige Arbeitsstelle zu finden. Unsere erste Anlaufstelle war die Cattle Farm im Hinterland von Grafton, wo ich zuvor schon ein wenig ausgeholfen hatte. Auch wenn es dort keine Arbeit gab, konnte Farmer George seine zahlreichen Kontakte nutzen um uns einen geeigneten Arbeitsplatz zu beschaffen. George haengte sich also hinters Telefon und sprach mit unzaehligen Farmern um uns zu helfen. Fast alle aber waren Nieten. Gruende dafuer waren Duerre im Sueden der Staates und Ueberflutungen im Norden. Seit ca. 5 Jahren haben Australische Farmer wohl eine sehr harte Zeit, da sie von Duerren oder anderen extremen Wettersituationen betroffen waren, erklaerte uns George. Allerdings muss ich hinzufuegen, dass keiner von den betroffenen Farmern, mit denen wir sprachen, an einen Klimawandel glaubten. Als wir den Begriff Global Warming in den Raum warfen hoerte man eine geschlossene Antwort: „Bullshit!“ Es sei schon immer so gewesen dass man ein par schlechte und warme Jahrzehnte hatte und ein paar kalte und gute.
Jedenfalls musste George nach Sydney zu einem Vortrag der Nationalen CropJet Vereinigung und er gab uns den Aufrtag fuer ein par Tage nach der Farm zu schauen, waerend er sich weiter um Jobs bemuehe. Gesagt, Getan. Wir waren damit beschaeftigt Kuehe zu Fuettern und Wasser zu Pumpen, als ploetzlich Geroge aus Sydney anrief. Er spreche gerade mit dem Vorsitzenden der Outback Farmers, der ein grosses Agrobusiness betreibe. Er erwarte uns morgen in Wee Waa, wo ein Hotel fuer uns gebucht sei. Wo verdammt noch mal ist denn Wee Waa? Ein Atlas gab uns schnell die Antwort und wir realisierten, dass wir uns auf eine Reise ueber 800 km Richtung Sued Westen begeben mussten. Google Earth machte uns klar, dass wir uns in eine von Wuesten- und Buschland dominierte Gegend aufmachen werden.
Frueh am Morgen ging es also los und nach 100km war die Ueberraschung gross, dass es von nun an keine asphaltierte Strasse mehr geben wird. 700km ueber Dreck und Staub! Na toll! Mit der Zeit wurde die Landschaft karger und karger und die Anzahl der Kaengurus groesser und groesser. Nach Kilometer 500 konnten wir die ersten Emus sehen, die meiner Meinung nach die wohl schoensten Voegel Australiens sind. Ihre Schnelligkeit und ihr im Wind wallendes Federkleid sind beeindruckend.
Als wir in Wee Waa, ein 400 Seelen Dorf, dass im Umkreis von 150km das einzige Anzeichen einer Zivilisation ist, riefen wir Conrad, unseren neuen Boss, an. Er warte schon auf uns in der lokalen Hotel Bar, wurden wir gewahr. Das klang gut nach einer so langen Reise. Das Hotelgebaeude war 150 Jahre alt und im viktorianischen Stihl gebaut, was ihm einen sehr idyllischen Charme verlieh. Nicht viel juenger war der Barkeeper, der uns eine Pfeffer- oder Rahmsteak anbot. Nicht viel spaeter hatten wir ein 1100 Gramm schweres Stueck Fleisch auf dem Teller mit Fritten und Salat. Nahrung fuer eine ganze Familie! Nach zwei stuendigem Kampf mit dem Herunterwuergen des wohl sehr reichen Gerichts, eroeffnete uns Konrad, dass wir am naechsten Morgen mit der Arbeit beginnen wuerden. In Bourke! Wo war denn jetzt Bourke? Nur die Strasse runter, erklaerte uns Conrad. Am naechsten morgen realisierten wir allerdings, dass es weitere 350 km bis Bourke, der naechste Ort westwaerts von Wee Waa, waren. Wir fuhren als nur die einzige Strasse nach Westen herunter und hatten keine einzige Kurve auf unserem Weg nach Bourke.
Conrad praesentierte uns dort seine 21 Flugzeuge, die meisten davon um Felder zu duengen. 2 Wracks fielen uns ins Auge, die, wie uns spaeter erklaert wurde, von Crashs stammen, die keine 2 Wochen alt waren. Beide Piloten haben es zu unserem Schrecken leider nicht ueberlebt. Fuer alle die schon einmal Crop Jets, wie diese Flugzeuge genannt werden, in Aktion gesehen haben, gibt es wohl kein Wunder, dass unfaelle passieren. Gespritzt wir naemlich auch unter Hochspannungsleitungen, was bedeutet, dass die Piloten nach zu den Leitungen ca. 1,5 Meter Platz und zum Boden ca. einen Meter Spielraum haben. Ein sehr spannendes Manoever!
Conrad hat allerdings zusaetzlich zu seinen Flugzeugen eine Farm, die im Winter Weizen oder Baumwolle und im Sommer Sonnenblumen erzeugt. Unsere Arbeit variierte also von tanken und warten der Flugzeuge, ueber Steuern der Spritzeinheiten in grossen Jets waehrend des Fluges bis hin zu normaler Farmarbeit mit den Sonnenblumen. Unter anderem Haben Matej und ich sie alle geplanzt mit einem grossen John Deer und einem 14 Meter Breitem Planter dahinter, was sich als die beste Arbeit herausstellte, da man den ganzen Tag in einem klimatisierten Traktor mit Radio sitzen konnte. Was die Arbeit extrem erleichtert hat, war das GPS, welches den Traktor automatisch lenkte und die Geschwindigkeit kontrollierte. Die einzige Aufgabe, die der Fahrer, oder besser Pilot, dieser High Tech Maschine erfuellen musste, war das Wenden am ende einer Reihe. Da die kleinsten Reihen 1,5 Kilometer lang waren, hatte man also nicht allzu viel zu tun. Der Farmmanager, der mit seiner Frau und drei Kindern auf dem Farmgelaende lebt, wurde schnell ein guter Freund und wir fuhren oft raus in den Busch, um Schweine mit Hunden seinen Hunden zu Jagen und sie dann als Spanferkel zu zubereiten, um Kaengurus und Emus zu schiessen oder um im Damm zu Angeln. Wir sind also selbstversorgend.
Nachdem Matej dann Anfang des Monats nach Sydney reiste um seinen Flug nach Suedkorea und dann zurueck nach Prag zu nehmen, kamen Stuerme auf. Hagel und Regen ueberflutete die gesamte Gegend binnen Minuten, da der viel zu trockene Boden nicht im Stande war nur einen Millimeter Wasser aufzunehmen. Nur drei Tage spaeter kam der naechste Sturm. Von Suedwesten, wie Jamie, der Farmmanager, mit erschrecken feststellte. Die Suedwestseite des Farmhauses, war die einzige ungeschuetzte und vollkommen offene Seite. Wir stoppten unsere Bewesserungsbemuehungen im Feld und rasten so schnell wie moeglich Richtung Farmhaus. Doch das war gar nicht so einfach. Der Toyota Landcruiser wurde vom Wind lediglich hin und her gerissen und wir mussten unsere Fahrt stoppen aus Angst in irgendeinem der Bewesserungskanaele zu landen. Nach 13 Minuten Sturm und Regen war alles vorbei. Sonnenschein und 42 Grad. – Und eine Haus, dass von nun an ohne Dach da Stand und dessen Decke von zweiten Stock ins Erdgeschoss verlagert wurde. Man haette ein Woerterbuch mit australischem Slang vollbekommen, haette man die Worte Jamies fuer nur 10 Minuten beim Anblick seines Hauses niedergeschrieben.
Nun sind wir zum „Nachbarn“ gezogen und damit beschaeftigt das Haus niederzureissen mit Hilfe von Bulldozern. Waehrenddessen bewaessern wir 800 Hektar Sonnenblumen und spritzen RoundUp in Brachliegenden Parzellen.
Zuweilen ist es so heiss, dass wir nur Nachts arbeiten koennen, da die Traktoren sonst zu heiss werden und streiken.
Heute ist Australischer Nationalfeiertag, doch wir muessen arbeiten. Ueber Weihnachten hatten wir Gott sei Dank ein par freie Stunden und Conrad nahm uns mit zu seiner Familie auf sein Boot zum Wasserski fahren und zum traditionellen Garnelen Essen.
Am 18. Februar geht es dann weiter in meiner Reise. Wahrscheinlich Richtung Tasmanien,Great Ocean Road, Cooper Pedy und dann Uluru, da der Norden auf Grund der Regenzeit total ueberflutet und somit unpassierbar ist.
Soviel von mir mit einem kleinen Update. Leider kann ich nur sehr schwierig kommunizieren momentan, da wir nur Internet ueber Setelitt haben und dieses sehr sehr teuer ist.
Photos reiche ich nach, wenn ich wieder in der Zivilisation bin.
Gruesse aus dem Outback Australiens.
Movember in Byron Bay
Der Movember in Australien hat nun ein Ende genommen und mit dem ersten Dezember hat nun endlich auch offiziell der Sommer begonnen.
Movember? Ja richtig, in Australien gibt es fuer die maennliche Bevoelkerung den sogenannten Movemberg, in dem jeder dazu aufgerufen ist sich einen Schnaeuzer (engl. Moustache) wachsen zu lassen um damit auf die weltweite Krebs- und AIDS Problematik aufmerksam zu machen. Diesem Aufruf folgt auch jeder Australier und am 29. November trifft man sich auf den Movember-Feten um die ausgefallensten Schnaeuzer zu bewerten. Wir haben uns natuerlich auch nicht lumpen lassen und sind diesem Trend einen Monat lang gefolgt.
Der letzte Monat war ansonsten nicht sehr aufregend und gepraegt von Pruefungvorbereitungstreffen. Das Wetter in Australien hingegen hat sich nicht geschaeut uns jeden Tag eine neue Kapriole aufzutischen. Der erste Teil des Monats war schwuel! Obwohl es kaum Sonne gab, war es trotzdem immer ueber 30 Grad heiss. Ein Tag bleibt wohl besonders in Erinnerung, als es Auslaeufer eines Zyklons aus Sued-Ost-Asien an die Ostkueste Australiens geschafft hatten. Diese sorgten in weiten Teilen Brisbanes (noerdlich von Byron) fuer chaotische Zustaende und sorgten dafuer, dass hunderte Haeuser nach schwerem Sturm unbewohnbar waren. Bei uns in Byron hagelte es lediglich. Hagelkoerner so gross wie Golfbaelle sorgten bei 35 Grad fuer eine winterliche Stimmung. Autowerkstaetten hatten nun ein fettes vorweihnachtliches Geschaeft sicher. Nach diesem Gewitter ging es sehr wechselhaft weiter. Man sollte meinen schon fast zu wechselhaft, wenn man dem Meteorologen von ABC hoert: „Ich kann Ihnen leider keine genaue Wettervorhersage geben. Stuendlich kann sich das ganze aendern. Ich habe ganz einfach keine Ahnung!“ Da staunte selbst der Nachrichtensprecher nicht schlecht. Doch es scheint wirklich nicht ganz einfach zu sein. Von vier Wetterdiensten im Internet kann man fuer die naechsten fuenf Tage voellig unterschiedliche Vorhersagen erwarten, was das leben hier somit recht interessant macht.
Auch sonst kann man jeden Tag erwarten etwas Neues von den Australiern zu erfahren. Neulich sprachen wir mit einem recht kommunikationsfreudigem Aboregene ueber Meilensteine der australischen Kultur und Geschichte. Uns wurde unter anderem klar gemacht das es fuer das Didgeridoo ca. 60 verschiedene Woerter gibt. Keines davon ist allerdings Didgeridoo. Das Wort Didgeridoo ist schottischer Slang und bedeutet so viel wie komiges Geraeusch.
Ausserdem ist der Ursprung des Wort Kangaroo erwaehnenswert. Die ersten Siedler wunderten sich was dies fuer ein komiges, huepfendes Tierchen ist und wollten seinen Namen erfahren. So fragten sie also einen Aboriginee in englischer Sprache, die fuer diesen allerdings voellig unverstaendlich war, wie dieses Wesen heisse. Der Buschmann antwortete immer fort Kangaroo! Kangaroo! Kangaroo! Uebersetzt: („Ich verstehe nicht!“). Die Siedler allerdings dachten, sie haetten eine Antwort auf ihre Frage erhalten und seit diesem Zeitpunkt heisst dieses huepfende Geschoepf Kangaroo -„Ich verstehe nicht!“. Das Wort Koala ist da allerdings ein wenig besser gewaehlt, es bedeutet „Kein Wasser“, was in so fern richtig ist, als das Koalas kein Wasser, ausser dem der Eukalyptusblaetter benoetigen.
Fuer mich geht es jetzt nach den Examen am Donnerstag und Dienstag in die schoene Region namens Wee Waa! 600km weit abgeschnitten von jeglicher Zivilisation werde ich mich der Baumwollernte fuer einige Zeit widmen.
Ich wuensche euch somit allen eine frohe vorweihnachtliche Zeit mit vielleicht etwas Schnee, waehrend hier bei 35 Grad „Let it snow“ und „Jingle Bells“ durch die Kaufhauslautspraecher droehnen und die Plastiktannen in der Hitze scheinbar zerschmelzen.
Einige Bilder gibt es wie immer auf www.globalzoo.de/ehser
Das Abenteur Beginnt… Von Sydney nach Byron Bay
…Unterwegs wollte ich noch in South West Rocks, Byron Bay, Surfers Paradies… aussteigen, um mir etwas die gegend anzuschauen. Nach 8 Stuendiger Busfahrt wollte ich mir nun South West Rocks, der einzige Ort an der Ostkueste, an dem die Sonne ueber dem offenen Meer untergeht, anschauen. Nebenbei beginnt hier noch der aelteste Urwald des Planeten… Ploetzlich bruellte also der Busfahrer „Mate, we’re here“ … Nach kurzem aufschauen stellte ich dann fest, dass ich Mitten im Nichts war. Lediglich eine Tankstelle mitten im Busch. Der Bus rauschte an mir vorbei und so stand ich dann mit meinem Rucksack auf staubigem Boden vor dieser Tankstelle, aus der mich der Kassierer schon von oben bis unten musterte. Ich konnte aus seinem Gesicht schon „Meine Guete, hier war die letzten 50 Jahre kein Fremder mehr… was will der bloss hier draussen??“ ablesen. So ziemlich genau das fragte er mich auch, als ich ihn anch einem Bus nach Saouth West Rocks an den Strand fragte. … „Busse, Mate, hats hier noch nie gegeben, ich kann dir hoechstens ein Taxi rufen“ Okey.. blieb mir nichts anderes uebrig. Nach ca. 40 min Taxifahrt zeigte das Taxometer dann 67 Dollar an. Bezahlt habe ich 25. Der Taxifahrer meinte ich koennte das Geld hier draussen evtl. noch brauchen.
So lies ich mich also am Strand absetzten und wanderte dort ein wenig umher. So langsam frichte der Wind wieder auf und es wurde frischer .. Ich schzaetze um die 15 Grad gegen 16.00h. Das Szenarium war so ueberwaeltigend, dass ich immer weiter marschierte. Ellenlange Straende und direkt am anschluss des Schneeweissen Sandes Urwald. Ploetzlich jedoch wurde es ziemlich schnell dunkel und ich musste mich dazu entschliessen, mein lager am Strand aufzuschlagen. Um 05.05h sollte mich sowieso wieder der Bus abholen. So schoss ich noch ein par atemberaubenden Bilder vom Sonnenunetrgang und zog mich warm an. 7 t-Shirts und 4 Pullover+Schalfsack sollten reichen. So dachte ich zumindest. Es wurde zur Hoelle. Es war so kalt!
Nach unruhiger todesnaher Nacht erfuhr ich dann von meinem netten Taxifahrer, dass es die kaelteste Nacht seit 35 Jahren in der Region war. Wie kalt? „Etwas unter Null“ … Na klasse…
Jetzt sitzte ich in Byron Bay und waerme mich erstmal auf.
Liebe Gruesse..
Chris
photos davon folgen… momentan ist meine verbindung leider zu langsam